Generalmente

Das Fellital – Uris stilles Naturparadies vor der Haustür

Das verborgene Juwel im Reusstal

Es gibt Orte in den Schweizer Alpen, die laut sind, voll und auf jeder zweiten Postkarte zu sehen. Und es gibt das Fellital. Ein rechtes Seitental der Reuss, das direkt bei Gurtnellen beginnt – und doch so verborgen liegt, dass es bis heute ein echter Geheimtipp geblieben ist.

Wer hier wandert, hört Bachrauschen, Wind in den Arven, gelegentlich einen Murmeltierpfiff – und sonst: Stille. Genau das, was viele in den Alpen suchen und immer seltener finden.

2. Was das Fellital so besonders macht

Das Fellital ist rund 8 Kilometer lang, verläuft in Süd-Nord-Richtung und überwindet einen beeindruckenden Höhenunterschied von 1.800 Metern. Am oberen Talende führt die Fellilücke zum Oberalppass, in der unteren Talhälfte die Pörtlilücke nach Osten ins Etzlital.

Was das Tal so besonders macht:

  • Keine befahrbare Strasse führt ins Tal – wer hierher will, geht zu Fuss
  • Das Gebiet ist unerschlossen und nahezu unberührt
  • Es liegt im Bundesinventar der Landschaften und Naturdenkmäler von nationaler Bedeutung (seit 1977)
  • Seit 1992 ist es kantonales Naturschutzgebiet
  • Es ist eidgenössisches Jagdbanngebiet – eines der ältesten der Schweiz
  • Seit 2014 ist es als Waldreservat Fellital-Taghorn geschützt

Diese Kombination aus Schutzstatus, Abgeschiedenheit und alpiner Schönheit macht das Fellital zu einem der besonderen Naturräume der Zentralschweiz.

3. Eines der ältesten Jagdbanngebiete der Schweiz

Eidgenössische Jagdbanngebiete sind grossflächige Schutzgebiete, in denen die Jagd verboten ist, damit sich Wildtierpopulationen ungestört entwickeln können. Das Fellital gehört zu den ältesten dieser Banngebiete in der ganzen Schweiz – ein Hinweis darauf, wie früh man hier erkannt hat, dass dieser Naturraum besonderen Schutz verdient.

Für Wanderer bedeutet das: gute Chancen, Gämsen, Murmeltiere, vielleicht Steinadler oder seltene Vögel zu beobachten – wenn man sich ruhig verhält und die Tiere nicht stört.

4. Das Waldreservat Fellital-Taghorn

2014 wurde das Fellital offiziell zum Waldreservat Fellital-Taghorn erklärt – das dritte und gleichzeitig grösste Waldreservat im Kanton Uri (nach Rütli und Rophaien).

Eckdaten des Reservats:

  • Fläche: 8,62 Quadratkilometer
  • Bewaldet: rund die Hälfte
  • Eigentum: Korporation Uri
  • Vertragslaufzeit: bis 2063 darf kein Holz geschlagen werden
  • Ausnahmen nur für Wanderwege, Sicherheit und Forstschutz
  • Bestehende Alpbewirtschaftung bleibt erlaubt
  • Touristische Nutzung weiterhin möglich – Wanderer dürfen die Wege auch verlassen und sogar Pilze sammeln

Das ist deshalb so besonders, weil Arvenholz in der Möbelindustrie extrem begehrt ist – die Korporation Uri verzichtet hier bewusst auf wirtschaftliche Nutzung zugunsten der Natur.

5. Der Arvenwald am Taghorn – uralte Bäume in der Kampfzone

Das absolute Highlight des Fellitals ist der grösste Arvenwald der Alpennordseite. Er wächst am Hang des Fellihorns beziehungsweise Taghorns, durchsetzt mit Vogelbeeren, und steigt bis auf 2.200 Meter Höhe – mitten in die sogenannte „Kampfzone des Waldes“, wo Bäume täglich ums Überleben kämpfen.

Was diesen Wald so faszinierend macht:

  • Die ältesten Arven trotzen seit rund 500 Jahren dem harten Bergklima
  • Viele knorrige, mannshohe Bäume erzählen Geschichten von Stürmen, Lawinen und Steinschlag
  • Im Herbst verfärben sich die Vogelbeeren leuchtend rot – ein farbenprächtiges Schauspiel
  • Auch seltene Föhrenwälder mit Aufrechter Bergföhre und Legföhre („Latsche“) sind hier zu finden
  • Insgesamt höchstgelegene Wälder im Kanton Uri

Wer einmal durch diesen uralten Wald gewandert ist, versteht, warum er heute geschützt ist.

6. Tierwelt und Pflanzenvielfalt

Eine Bestandesaufnahme der Naturforschenden Gesellschaft Uri ergab beeindruckende Zahlen:

  • 337 verschiedene Pflanzenarten im Reservatsgebiet
  • Davon 24 seltene und schutzwürdige Arten wie Lerchensporn, Moosglöckchen, Laggers Weide und Filziger Alpendost
  • Reiche Tierwelt: Gämsen, Murmeltiere, Steinadler, zahlreiche Vogelarten

Auf der Alp Fellenen zwischen rund 1.200 und 1.800 m treiben vier Genossenschafter ihr Vieh – und produzieren einen besonderen, dreiviertelfetten Käse mit grauem Aussenschimmel. Wer Glück hat, kann hier Alpkäse direkt vom Älpler kaufen.

7. Die schönste Wanderung: Oberalp – Fellilücke – Treschhütte – Gurtnellen

Die klassische Fellital-Wanderung führt vom Oberalppass durch das gesamte Tal bis hinunter nach Gurtnellen. Die Tour gilt als „Drei-Jahreszeiten-Tour“ – oben kann es noch Altschnee haben, unten blüht der Hochsommer.

Routenverlauf:

  • Start: Oberalppass (bequem mit der Matterhorn Gotthard Bahn erreichbar)
  • Aufstieg zur Fellilücke: ca. 1 Stunde 15 Minuten
  • Abstieg über Murmetsbüel: erste Hochebene, Picknickpause mit Morgensonne
  • Durch das Alpgebiet: vorbei an der Alp Fellenen, Wiesen werden satt-grün
  • Kampfzone des Waldes am Taghorn mit den uralten Arven
  • Treschhütte (SAC) – ein guter Halt für eine Rast und Verpflegung
  • Weiter durch den Wald entlang des Fellibachs hinunter
  • Ziel: Gurtnellen

Eckdaten: Ganztagestour mit vielen Höhenmetern im Abstieg, festes Schuhwerk und Trittsicherheit erforderlich.

8. Familienfreundliche Varianten

Wer es kürzer und gemütlicher mag, hat auch Optionen:

Treschhütte ab Gurtnellen: Der Weg zur Treschhütte – sowie die Umgebung der Hütte – eignet sich für einen gemütlichen Tagesausflug und für Familientouren. Aufstieg von Gurtnellen rund 2 Stunden.

Stäubenweg: Eine familienfreundliche Rundtour ab Gurtnellen-Wiler. In etwa 1,5 Stunden durch den kühlen Wald in wilder Landschaft – auch für kleinere Wanderer gut machbar. Dank Infotafeln zudem lehrreich. In Gurtnellen-Wiler befindet sich auch ein besonderer Spielplatz für die Kinder.

9. Verhaltensregeln im Naturschutzgebiet

Damit das Fellital so besonders bleibt, wie es ist, gelten ein paar Grundregeln:

  • Auf den Wegen bleiben (wo angegeben) – besonders während der Brut- und Setzzeit der Wildtiere
  • Hunde an der Leine führen
  • Keine Pflanzen pflücken (Ausnahme: Pilze sammeln ist erlaubt)
  • Müll mitnehmen – keine Abfälle in der Natur lassen
  • Lautstärke gering halten – auch andere wollen die Ruhe geniessen
  • Wildtiere nicht stören – nur aus Distanz beobachten
  • Kein offenes Feuer ausserhalb offizieller Feuerstellen
  • Keine Drohnen ohne Bewilligung

Wer sich an diese einfachen Regeln hält, leistet einen Beitrag, damit dieses Stück unberührte Natur auch für kommende Generationen erhalten bleibt.

10. Praktische Tipps für Ihre Tour

  • Beste Zeit: Juli bis September. Im Mai/Juni oft noch viel Restschnee in der Fellilücke, im Oktober Wetterumschwünge möglich
  • Ausrüstung: Wanderschuhe mit gutem Profil, wetterfeste Kleidung in Schichten, Sonnenschutz, ausreichend Wasser
  • Verpflegung: Im Tal selbst gibt es keine Einkehrmöglichkeiten ausser der Treschhütte – immer Proviant mitnehmen
  • Wetter: In den Bergen schnell wechselnd – Wetterbericht checken
  • Karte: Topografische Wanderkarte oder digitaler Routenplaner (komoot, outdooractive, SchweizMobil) empfehlenswert
  • Schwierigkeit: Die Durchquerung verlangt gute Kondition und Trittsicherheit – nicht unterschätzen

11. Vom Hotel Sternen Gurtnellen ins Fellital

Wenige Orte sind als Basislager so ideal wie das Hotel Sternen Gurtnellen: Das Fellital beginnt praktisch direkt vor der Tür. Sie können morgens nach einem stärkenden Frühstück losziehen, einen kompletten Tag im stillen Tal verbringen – und am Abend kehren Sie zurück in den Komfort eines gemütlichen Hotelbetts im Tal.

Nach einer langen Wanderung warten warme Dusche, regionale Küche und ein kühles Getränk auf der Terrasse. Wir geben Ihnen gerne aktuelle Tipps zum Wegzustand, zur passenden Tourenvariante für Ihre Gruppe und zu Sehenswertem unterwegs. Sprechen Sie uns einfach an – wir freuen uns auf Ihren Besuch.

Das Fellital ist nicht laut. Es ist nicht spektakulär im klassischen Sinne. Aber es ist ein Ort, der bleibt – im Kopf und im Herzen.

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