Wo Geschichte und Abenteuer aufeinandertreffen
Es gibt Orte in den Alpen, an denen man die Kraft der Natur fast greifen kann. Die Schöllenenschlucht zwischen Göschenen und Andermatt ist so ein Ort: tosende Reuss, schwarzer Granit, schroffe Wände, dazu die berühmte Teufelsbrücke und das Suworow-Denkmal, das an die Schlacht von 1799 erinnert. Mitten durch diese spektakuläre Kulisse führt einer der bekanntesten Klettersteige der Zentralschweiz – der Klettersteig Diavolo, oft auch einfach „Klettersteig Schöllenen“ genannt.
Vom Hotel Sternen Gurtnellen aus erreichen Sie den Einstieg in unter einer halben Stunde. Das macht den Diavolo zum idealen Tagesabenteuer für alle, die schon einmal einen Klettersteig bewältigt haben – oder es endlich tun wollen.
2. Die Schöllenenschlucht – eine der wildesten Schluchten der Alpen
Die Schöllenen ist seit Jahrhunderten Verkehrsweg und mythischer Ort zugleich. Hier durchquerten Säumer mit ihren Maultieren die enge Schlucht, hier entstand die legendäre Teufelsbrücke, hier kämpften 1799 russische Truppen unter General Suworow gegen napoleonische Einheiten. Heute durchqueren Strasse, Bahn und Wanderwege die Schlucht – und in den Granitwänden oberhalb der Reuss verläuft seit einigen Jahren der Klettersteig Diavolo.
Der Name „Diavolo“ – italienisch für „Teufel“ – passt zur Region: Die Sage erzählt, der Teufel selbst habe die erste Brücke über die Reuss gebaut. Wer den Klettersteig begeht, erlebt diese mystische Atmosphäre direkt – mit Tiefblicken auf Teufelsbrücke, Strasse und Bahnlinie, die mit jedem Höhenmeter kleiner werden.
3. Der Diavolo-Klettersteig im Überblick
Eckdaten auf einen Blick:
- Schwierigkeit: K2 bis K3 – mittlerer Schwierigkeitsgrad, geeignet für Einsteiger mit etwas Erfahrung
- Höhenmeter im Aufstieg: ca. 450 bis 500
- Einstieg: beim Suworow-Denkmal auf rund 1.405 m ü. M.
- Ausstieg: Tüfelstalboden auf rund 1.860 bis 1.900 m ü. M.
- Reine Klettersteig-Zeit: ca. 1,5 bis 2,5 Stunden
- Gesamtdauer inklusive Zu- und Abstieg: rund 3 Stunden
- Absicherung: 700 Meter Drahtseil, 265 Eisenstifte und Haken, künstliche Tritte und zwei Leitern
- Saison: Ende Mai bis Ende Oktober (je nach Schneelage)
Der Diavolo ist einer der bekanntesten Klettersteige der Schweiz und besonders bei Einsteigern beliebt, die spektakuläre Tiefblicke und gleichzeitig eine gut abgesicherte Route suchen. Die Schwierigkeit liegt weniger in einzelnen Schlüsselstellen als in der Gesamtlänge und der teilweise sehr luftigen Linienführung.
4. Zustieg und Routenverlauf
Vom Bahnhof Andermatt aus geht es zu Fuss in rund 20 Minuten entlang der Hauptstrasse durchs Urner Loch in die Schöllenenschlucht. Vor der Teufelsbrücke rechts halten und zum Suworow-Denkmal – hier befindet sich der Einstieg.
Der Klettersteig beginnt steil und ausgesetzt über eine markante Felsrippe. Danach wechseln sich plattige Granitstellen mit Grasbändern ab. Im Mittelteil wartet eine nahezu senkrechte Wand, die jedoch grosszügig mit Stahlbügeln entschärft ist. Eine kurze, ungesicherte Querung führt zum spektakulärsten Teil mit bombastischen Tiefblicken in die Schlucht. Den Abschluss bilden zwei bis drei Verschneidungen und eine senkrechte Leiter.
Oben angekommen erwartet Sie ein schöner Rastplatz unter der Urner Fahne mit Blick auf die Granitzacken des Salbitschijen. Der Abstieg führt über einen gut markierten Weg über den Tüfelstalboden zurück nach Andermatt – alternativ kann man zur Bahnstation Nätschen traversieren und mit der Matterhorn Gotthard Bahn zurückfahren.
5. Notwendige Ausrüstung und Vermietung
Für den Diavolo benötigen Sie eine vollständige Klettersteig-Ausrüstung:
- Klettergurt
- Klettersteigset mit Bandfalldämpfer
- Helm (zwingend wegen Steinschlaggefahr)
- Feste Bergschuhe
- Handschuhe (empfohlen, schonen die Hände am Drahtseil)
- Wetterfeste Kleidung, ausreichend Wasser und Verpflegung
Wer keine eigene Ausrüstung besitzt, kann Klettersteigsets in Andermatt mieten – unter anderem bei Alpina Sport, Meyer’s Sporthaus und Imholz Sport (Piazza Gottardo).
6. Sicherheitshinweise und beste Zeit
- Wetter prüfen: Bei Regen, Nässe oder Gewittergefahr darf der Klettersteig nicht begangen werden – Grasbänder werden rutschig, Blitzschlaggefahr ist im Granit erheblich.
- Frühzeitig starten: Im Sommer empfiehlt sich ein früher Start, um Gewittern am Nachmittag zu entgehen.
- Wildruhezone: Der Klettersteig ist vom 1. Dezember bis 30. April aus Naturschutzgründen gesperrt.
- Erfahrung: Auch wenn die Route als einsteigerfreundlich gilt – die Länge und die ausgesetzten Passagen verlangen Trittsicherheit, Schwindelfreiheit und eine gewisse Grundkondition.
- Niemals allein: Klettersteige sollten grundsätzlich nicht allein begangen werden.
Wer unsicher ist oder das erste Mal einen Klettersteig macht, kann eine geführte Tour mit einem Bergführer buchen – die örtlichen Sportgeschäfte und die Tourismusbüros vermitteln entsprechende Angebote.
7. Anreise von Gurtnellen aus
Vom Hotel Sternen Gurtnellen erreichen Sie Andermatt in rund 20 bis 30 Minuten mit dem Auto über die Gotthardstrasse. Mit dem öffentlichen Verkehr nehmen Sie den Zug von Gurtnellen Richtung Göschenen und steigen dort in die Matterhorn Gotthard Bahn Richtung Andermatt um – ebenfalls gut machbar.
Parken können Sie direkt beim Bahnhof Andermatt – von dort sind es nur wenige Gehminuten zum Einstieg.
8. Nach dem Abenteuer: Zurück ins Hotel Sternen
Nach drei Stunden in der Vertikalen sind Beine, Arme und Adrenalinspiegel gleichermassen gefordert. Im Hotel Sternen Gurtnellen erwarten Sie genau die richtigen Voraussetzungen für einen perfekten Tagesausklang: warme Dusche, ein deftiges Znacht, ein Bier auf der Terrasse – und ein Bett, das sich nach dem Diavolo wie eine Wolke anfühlt. Genau das, was man nach einem solchen Tag braucht.